Wandern
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Wandern ist eine Form des
Gehens, eine
Sportart oder Freizeitbeschäftigung, die in der
Natur ausgeübt wird.
Bergwanderung
Man unterscheidet dabei zwischen „zweckfreiem" und „zweckgebundenem" Wandern. Zweckfreies Wandern dient dem Selbstzweck, der Erbauung oder Ertüchtigung, während zweckgebundenes Wandern früher zumeist speziellere Gründe hatte wie Forschung, Arbeitssuche,
Walz, Flucht oder Handel.
Geschichte [Bearbeiten]
Die neue Art der Fortbewegung, das Wandern, wurde zum Symbol der aufklärerischen Emanzipation des Bürgertums vom Adel. Aufrecht im Gang blickte man nun in die Welt und beobachtete Volk und Natur ungetrübt von Kutschenfenstern. Unzählige aufklärerische Wanderer erkundeten im dritten Drittel des 18. Jahrhunderts Europa zu Fuß und schrieben ihre Erkenntnisse möglichst objektiv nieder. Dabei lag ein besonderes Augenmerk auf den sozialen und politischen Gegebenheiten der durchwanderten Gebiete. Als schillerndstes Beispiel gilt oftmals der Leipziger
Johann Gottfried Seume, der 1801 zu einer Fußreise nach Sizilien aufbrach und nach neun Monaten über Paris nach Leipzig zurückkehrte.
Anschließend an die Aufklärung übernahmen die
Romantiker das Wandern und prägten sein Bild bis heute. Im Unterschied zu den Aufklärern war ihr Blick nicht mehr auf die sozialen und politischen Gegebenheiten gerichtet, sondern primär auf die
Landschaft als Spiegel des eigenen Inneren. Sie suchten die Einsamkeit, um in ihr den Kosmos in sich selber zu finden.
Im 19. Jahrhundert wurden zunehmend weniger Städte erwandert, sondern man ließ sich in Kutschen oder mit der
Eisenbahn zu den Ausgangspunkten in der Natur bringen, wo man auf immer mehr vorgegebenen Strecken lief. Wurden die Aufklärer noch angefeindet oder schief angeschaut, so machten die Romantiker das Wandern salonfähig.
Ausgeschilderter, gut ausgebauter Wanderweg
1883 in Fulda gegründet, ist der
Deutsche Wanderverband die Dachorganisation der Gebirgs- und Wandervereine in Deutschland. Seine Mitgliedsorganisationen markieren und betreuen ehrenamtlich ca. 200.000 km Wanderwege. Im Verband sind 56 Gebietsvereine mit insgesamt 600.000 Mitgliedern organisiert. Zu den Satzungsaufgaben gehören neben der Wegearbeit und der Pflege des Wanderns auch Naturschutz-,
Jugend-, Familien- und Kulturarbeit.
Die 1895 in Wien gegründeten
Naturfreunde ermöglichten erstmals das Wandern für eine proletarische Schicht. Mit starker sozialistischer Prägung eröffneten sie erste Naturfreundehäuser, in denen proletarische Wanderer billig übernachten konnten. Heute gibt es in Deutschland rund 450 Naturfreundehäuser.
Zur gleichen Zeit kam die Jugendbewegung auf, die 1901 in die
Wandervogelbewegung mündete. Die Wandervögel waren meist jugendliche Schüler und Studenten, die aus den Städten in die Natur flohen und durch eine neue Lebensweise gegen die wilhelminische Gesellschaft aufbegehrten.
Die
Deutsche Wanderjugend (DWJ) betont die gesundheitsfördernde Wirkung des
Barfußwanderns. Zahlreiche
Barfußparks in Deutschland, Österreich und der Schweiz ermöglichen eine erste Barfußwandererfahrung unter den gesicherten Bedingungen einer gepflegten und vielseitigen Freizeitanlage. Auch eine
Wattwanderung eignet sich in idealer Weise zum Barfußlaufen.
Das Wandern im
bergigen Gelände wird als
Bergwandern bezeichnet, wobei die Grenzen zwischen Wandern, Bergwandern und
Bergsteigen nicht genau definiert sind. Im Allgemeinen grenzt sich das Bergwandern vom Bergsteigen durch den
Klettereinsatz ab, doch im Sprachgebrauch einiger
Gebirgsländer wird von „Klettern" erst gesprochen, wenn man die
Hände zuhilfe nehmen muss.
2005 gab es in
Österreich 416 Tote bei Alpinunfällen, im gleichen Jahr beklagte man 764 Verkehrstote. In Tirol standen sich 179 Alpintote und 57 Verkehrstote gegenüber. Bezogen auf Österreich ereigneten sich die meisten tödlichen Unfälle beim Bergwandern (130), dann folgte Klettern (36), Hochtourenbergsteigen (29). Nach einer schweizerischen Studie kommt auf 7.143 Wanderstunden ein Unfall. So gesehen ist von gängigen
Freizeitsportarten nur das
Schwimmen sicherer, während das Verletzungsrisiko beim
Wintersport das des Wanderns 7,5-fach übersteigt (Fußballspielen 18-fach). Ursache tödlicher Alpinunfälle sind in 64% Stolpern, Ausrutschen und Absturz, in 21% Erschöpfung und Überlastung, die restlichen 15% verteilen sich auf Orientierungsverlust,
Versteigen,
Stein- und
Blitzschlag, Hitze- oder Kälteschäden oder
Lawinen.
[1] Momentan findet eine Auferstehung des Wanderns zu Bildungszwecken statt.
Lehrpfade mit Informationstafeln ersetzten den Wanderführer als Wissensvermittler und ermöglichen ein selbst bestimmtes Lernen und in jeder Hinsicht den Fortschritt in der selbst gewählten Geschwindigkeit. Eine Sonderform sind die
Planetenwege, die ein verkleinertes Modell des
Sonnensystems darstellen und in der Regel mit einschlägigen Informationen aufwarten.
Nachtwanderungen sind Wanderungen, die überwiegend bei Dunkelheit durchgeführt werden. Diese können auch einen religiösen Hintergrund haben, z. B. der Aufstieg zum
Sri Pada in
Sri Lanka. Unter der Anleitung Erwachsener sind Wanderungen dieser Art speziell bei Kinder- und Jugendgruppen im Rahmen von
Klassenfahrten oder Ferienaufenthalten beliebt und gängige Praxis. Hierbei spielt der
Wandergedanke gegenüber dem
Gruseleffekt eine eher untergeordnete Rolle.
Naturisten suchen auf
Nacktwanderungen in klassischer FKK-Manier die „totale Freiheit und Naturverbundenheit". Um Missverständnisse zu vermeiden, bevorzugen sie dabei weniger frequentierte Strecken.
Aus
Finnland stammt das „
Nordic Walking", das als weitere gesundheitsfördernde Wanderart zunehmend Anhänger unter dem Begriff
Nordic Trekking [2] findet. Diese Art der Bewegung mit Stöcken wurde dabei speziell auf die Wanderer abgestimmt und ist für lange Strecken geeignet. Hier geht es auch um den Geselligkeitsfaktor, denn die Wanderfreunde wollen sich während ihrer Touren auch unterhalten und die Natur genießen. Dennoch merken sie den Trainingseffekt durch den Einsatz der Stöcke in der Nordic-Walking-Technik.
[3] Auf die Wandermönche zurückgehende Tradition des mehrtägigen bzw. sogar mehrwöchigen Unterwegsseins mit dem Ziel der Gottes-und/oder existenziellen Sinnsuche. Als Ziel für solche Wanderungen werden oft besondere Orte gewählt: Das sind einsame und entlegene Landschaften (z.B.
das Gebirge bei Bergexerzitien), aber auch Pilger - und Wallfahrtsorte (z.B. Santiago di Compostella).
Sportwandern beginnt bei organisierten Märschen ab 35 - 40 km. Dachverband in Österreich ist der ÖFS (Österreichischer Fachverband für Sportwandern, Weitwandern und Trekking, www.oefs.at. In der Schweiz oder Deutschland nehmen Sportwanderagenden Teilverbände des IVV (Internationalen Volkssportverband) wahr. Dieser Verband bietet im Allgemeinen Wanderstrecken über 5, 10 und 20 km an. Es werden aber auch längere Strecken, z.B. die
Marathonstrecke (42 km) oder 50 km angeboten.
Eine weitere Variante des Wanderns ist das Volkswandern. Bei einer Volkswanderveranstaltung werden verschieden lange Wanderstrecken angeboten, die man alleine oder in einer Gruppe durchwandern kann. Unterwegs gibt es in der Regel mehrere Verpflegungs- und Kontrollposten, so dass man kein schweres Gepäck mitnehmen muss.
Viele Tourismusverbände bieten mehrtägige Touren an, bei denen das Gepäck der Wanderer gegen einen gewissen Aufpreis von Hotel zu Hotel transportiert wird. Häufig ist dies eine kreisförmige Route innerhalb eines bestimmten Gebietes (z.B. Schwarzwald, Pfälzer Wald, Fränkische Schweiz, etc.). Man kann sich auch auf eigene Faust eine Route zusammenstellen und bei den in Frage kommenden Hotels anfragen, ob der Gepäcktransport übernommen wird.
Bei der Begehung von Weitwanderwegen, das sind einheitlich markierte bzw. beschilderte Wanderwege mit mindestens 40 km Weglänge, spricht man von weitwandern. Es setzt Ausdauer, Orientierungsgeschick und Organisationsgabe voraus.
1. ↑ Abgewandelt zitiert nach „Alpen tödlicher als Straßenverkehr",
Medical Tribune, 12. Januar 2007, S. 12
Brigitte Wenninger:
Der Eselsweg. Ein Wanderweg zum Genießen. CoCon-Verlag, Hanau
Brigitte Wenninger:
Quer durch den Spessart. Wanderungen entlang der Birkenhainer Straße. CoCon-Verlag, Hanau
Knut Waldau, Helmut Betz:
Berge sind stille Meister. München 2005, 2. Aufl.
David Coulin:
Die schönsten Gratwanderungen der Schweiz. AT-Verlag, 2005,
ISBN 3-85502-936-9
David Anker, Eugen Hüsler:
Wandern vertikal. Die Klettersteige der Schweiz. AT-Verlag, 2004,
ISBN 3-85502-933-4
Heinz Staffelbach:
Wandern und Geniessen in den Schweizer Alpen. AT-Verlag, 2006,
ISBN 3-03800-208-9
Heinz Staffelbach:
Urlandschaften der Schweiz - Die schönsten Wanderungen durch wilde Bergwelten. AT-Verlag, 2004,
ISBN 3-85502-794-3 Spaziergang
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Ein
Spaziergang (im
15. Jahrhundert von
italienisch spaziare, ‚sich räumlich ausbreiten', ‚sich ergehen' entlehnt) ist das
Gehen ("Ambulieren", "Flanieren") zum Zeitvertreib und zur Erbauung.
Man kann z. B. im
Wald, in
Parks oder den
Deich entlang, aber auch in Geschäftsvierteln der
Stadt als
Flaneur oder zum
Schaufensterbummel spazieren. Spaziergänge können der Entspannung, der
Erholung oder der beobachtenden und gedankenvollen
Muße dienen. Menschen gehen auch wegen der
Sonne, der frischen Luft, Bewegung und zum ‚Tapetenwechsel' spazieren. Ein
Spazierstock erleichtert und beschwingt das Gehen.
Historisches [Bearbeiten]
Der Ursprung des Spaziergangs ist das
aristokratische „Lustwandeln" in Gärten und Barockparks, später kam eine soziale Komponente hinzu (Kontakte knüpfen, ungestört Gespräche führen). Die Entwicklung von
Parks oder
Promenaden hängt unmittelbar mit dem Spaziergang zusammen. Unter Bürgerlichen ist er im
18. Jahrhundert in Mode gekommen. Als
Brauch war er zu bestimmten Zeiten in
Deutschland sehr verbreitet – so der
Osterspaziergang (vgl. dazu
Goethes Faust I) oder
Pfingstspaziergang. Beim sonntäglichen ‚Familienspaziergang' konnte dessen Gemächlichkeit für Kinder recht quälend sein. Nicht-Europäer mit anderen Traditionen der
Muße halten den Spaziergang häufig für eine unnütze Beschäftigung.
Manche Orte mit
touristischer Bedeutung,
Kurorte und
Seebäder, haben meist
Promenaden, auf denen man spaziert (
promeniert oder
flaniert). In Kurorten wurden hierfür eigens Rundwege angelegt, die
Spaziergänge genannt wurden. Das langsame Gehen war ein wichtiger Bestandteil der
Trinkkur.
In Diktaturen wird die Form des Spaziergangs seiner Unabhörbarkeit wegen geschätzt.
Nimmt man einen
Hund zum Spaziergang ‚um den Block' mit, so spricht man auch vom „Gassi gehen"; hier verwischt sich freilich die Grenze zwischen Spazier- und Pflichtgang.
Der Spaziergang in Literatur und Bildender Kunst [
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Ein berühmter Spaziergänger war
Goethe (
Ich ging im Walde so für mich hin, nach nichts zu suchen, das war mein Sinn.). An seiner bevorzugten Ruhebank im
Frankfurter Stadtwald wurde später der
Goetheturm errichtet.
Literarisch bedeutsam wurde
Der Spaziergang durch
Friedrich Schillers Elegie (so der ursprüngliche Titel), worin Schiller anhand des Beobachtens und Nachsinnens des bergauf Ziehenden seine eigene Natur- und Geschichtsphilosophie entfaltet. Das Gedicht schließt mit der befreienden Zeile
Und die Sonne Homers, siehe! sie lächelt auch uns. (
Siehe auch Homer.) Zum Beispiel eines solchen damals noch üblichen Riesenspaziergangs
vgl. links das romantische Gemälde von
Caspar David Friedrich.
Auch haben dem Spaziergang z. B.
Joseph von Eichendorff (
O Täler weit und Höhen, | o frischer grüner Wald, | du meiner Lust und Wehen | andächt'ger Aufenthalt) und
Adalbert Stifter (Der Waldgang) in ihren Werken viel Raum gegeben.
Der deutsche
Maler Carl Spitzweg malte Mitte des 19. Jahrhunderts mehrmals
Familien auf
Sonntagsspaziergang. Vgl.
oben auch das Gemälde
Der Spaziergang von
Pierre-Auguste Renoir; es zeigt eine Frau mit zwei Kindern in
Sonntagskleidung.
Franz Kafka schrieb u. a. eine Parabel mit dem Titel
Der plötzliche Spaziergang und verarbeitete das Motiv des Spaziergangs in einem Kapitel seines Werkes
Beschreibung eines Kampfes.
Robert Walser war ein begeisterter Spaziergänger und verarbeitete dies in seiner Prosaarbeit
Der Spaziergang.
Die an einer Universität etablierte
Spaziergangswissenschaft plädiert für langsames Wahrnehmen - ein gesunkenes Kulturgut...
Die Redewendung nach einer erfolgreichen Schlacht, Aufgabe oder Prüfung Das war ein Spaziergang soll ausdrücken, dass es eine leicht zu bewältigende Angelegenheit darstellte. Oder umgekehrt Das wird kein Spaziergang, sagt etwa ein Politiker vor einem Wahlkampf.
Um gesehen zu werden, spaziert der
Flaneur.
Zu einem kleinen geschichtlichen Rückblick zum zu Fuß Gehen
siehe Fußverkehr.
Liebesleute "gehen miteinander" lange Wege, wenn ihnen die
Sitte in der Öffentlichkeit nicht mehr erlaubt.
Der Verdauungspaziergang ist ein
umgangssprachlicher Begriff für mäßige körperliche Betätigung an frischer Luft nach dem Essen. Er findet häufig sonntags nach dem Besuch von Gaststätten und dann besonders im gehobenen Alter viele Fürsprecher.
Zweck des Verdauungsspaziergangs ist eine Anregung der Darmtätigkeit. Die Bewegung unterstützt die
Peristaltik des
Verdauungstraktes. Zu der sportlichen Ausstattung der Anhänger des Verdauungsspaziergangs gehört neben dem festen Schuhwerk oftmals der
Spazierstock. Ausgeübt wird die Betätigung meist in landschaftlich attraktiver Umgebung in
Feld,
Wald und
Flur - fern der
urbanen Zivilisation.
Gudrun M. König;
Eine Kulturgeschichte des Spaziergangs. Spuren einer bürgerlichen Praktik 1780 - 1850. Wien, Köln Weimar 1996
ISBN 320598532X Fernwanderweg
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Fernwanderwege oder
Weitwanderwege sind überregionale
Wanderwege, die nicht innerhalb eines Tages
erwandert werden können. Neben nationalen Fernwanderwanderwegen mit mehreren hundert Kilometern, gibt es inzwischen auch
europäische Fernwanderwege mit mehreren Tausend Kilometern Länge.
Fernwanderungen und
Trekking-Touren umfassen daher meist nur einzelne Abschnitte dieser Strecken.
Hauptwanderstrecken sind Wege, die in der Hierarchie von markierten Wanderwegen im Gebiet eines
Wander- und Gebirgsvereins auf der obersten Ebene eingeordnet sind und im Gegensatz zu Ortswanderwegen durch die gesamte Region verlaufen. Das Wegzeichen ist häufig ein weißes
Andreaskreuz. Je nach Vereinsgebiet werden aber auch andere Zeichen verwendet.
Fernwanderwege wurden oft mit der einsetzenden
Industrialisierung eingerichtet, um zusammenhängende Naturräume zu erhalten und dem Menschen zugänglich zu machen. Im Gegensatz zu vielen örtlich begrenzten
Wanderwegen, die der
Naherholung dienen, werden Weitwanderwege fast immer regelmäßig markiert und gepflegt. Diese Arbeit wird
ehrenamtlich durch die überregionalen Wander- und
Heimatvereine durchgeführt.
Die Europäische Wandervereinigung (EWV) weist
11 Fernwanderwege in Europa aus; diese Wanderwege sind in weiten Teilen lokale oder nationale Wanderwege, die als Symbol europäischen Zusammenwachsens grenzüberschreitend verbunden werden.
Weitwanderwege (Österreich)
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Allgemeines [Bearbeiten]
In Österreich gibt es mehr als 100 regionale und überregionale Weitwanderwege unterschiedlicher Länge. Zehn davon werden als die „großen österreichischen Weitwanderwege" 01 bis 10 bezeichnet. Sie durchqueren die österreichischen
Alpen und
Voralpen, aber auch die Gebiete nördlich der
Donau und zum
Neusiedler See hin. Sie führen alle zumindest teilweise durch alpines oder hochalpines Gelände. Manche von ihnen sind auch Teil eines
Europäischen Fernwanderweges.
1994 wurden vom Langenzersdorfer Fritz Peterka alle 10 großen, insgesamt rd. 7300 km langen österreichischen Weitwanderwege "in einem Stück" in 143 Tagen begangen. Diese Leistung wurde 1998 im
Guinness-Buch der Rekorde eingetragen.
Die 10 großen österreichischen Weitwanderwege [
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Weitwanderwege 1 bis 4
Weglänge: rd. 1260 km
Tiefster Punkt: 123 m (Rust am Neusiedlersee)
Weglänge: rd. 1270 km
Tiefster Punkt: 118 m (Neusiedl am See)
Höchster Punkt: 3.407 m (Venedigerscharte in den
Hohen Tauern) am Hauptweg.
Wanderführer: Zentralalpenweg 02, 4. Auflage, 2006, Standardwerk seit 1978, Fritz Peterka, Verlag Wienerland, www.wienerland.at
Weglänge: rd. 513 km
Tiefster Punkt: 208 m (Bad Radkersburg)
Wanderführer (Eigenverlag)erhältlich über die Sektion Weitwanderer des Oesterreichischen Alpenvereins, p.A. Thaliastraße 159/3/16, 1160 Wien, Tel. +43(0)1/493 84 08 oder E-Mail: weitwanderer@sektion.alpenverein.at, siehe www.alpenverein.at/weitwanderer.
Weglänge: rd. 501 km
Tiefster Punkt: 265 m (Perchtoldsdorf)
Höchster Punkt: 1821 m (Grünalmkogel)
Wanderführer (2007, Eigenverlag) erhältlich über die Sektion Weitwanderer des Oesterreichischen Alpenvereins, p.A. Thaliastraße 159/3/16, 1160 Wien, Tel. +43(0)1/493 84 08 oder E-Mail: weitwanderer@sektion.alpenverein.at, siehe www.alpenverein.at/weitwanderer.
Weglänge: rd. 510 km
Wanderführer erhältlich im Fachbuchhandel oder über die Sektion Weitwanderer des Oesterreichischen Alpenvereins, p.A. Thaliastraße 159/3/16, 1160 Wien, Tel. +43(0)1/493 84 08 oder E-Mail: weitwanderer@sektion.alpenverein.at, siehe www.alpenverein.at/weitwanderer.
Weitwanderweg 6
Weglänge: rd. 1.014 km
Wanderführer a)"Pilgerwege nach Mariazell" erhältlich im Fachbuchhandel oder über die Sektion Weitwanderer des Oesterreichischen Alpenvereins, p.A. Thaliastraße 159/3/16, 1160 Wien, Tel. +43(0)1/493 84 08 oder E-Mail: weitwanderer@sektion.alpenverein.at, siehe www.alpenverein.at/weitwanderer b) Via Sacra, Oö. Mariazeller Weg und Nö. Mariazeller Weg - handliche Broschüren über Teilwege, erhältlich beim Verlag Wienerland, www.wienerland.at
Weg 07: Ostösterreichischer Grenzlandweg [
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Weitwanderwege 5, 7 bis 10
Entlang der österreichischen Ostgrenze (Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien) führt der Weg durch das Hügelgebiet der Böhmischen Masse und des Weinviertels, durch das burgenländische Tiefland und durchs steirische Hügelland. Ausgangspunkt ist der Nebelstein in
Niederösterreich, nach der Durchquerung von
Wien und dem
Burgenland endet der Weg in
Bad Radkersburg in der
Steiermark.
Weglänge: rd. 697 km
Höchster Punkt: 1017 m (Nebelstein)
Wanderführer derzeit vergriffen, Neuauflage im Eigenverlag für April/Mai geplant und dann erhältlich über die Sektion Weitwanderer des Oesterreichischen Alpenvereins, p.A. Thaliastraße 159/3/16, 1160 Wien, Tel. +43(0)1/493 84 08 oder E-Mail: weitwanderer@sektion.alpenverein.at, siehe www.alpenverein.at/weitwanderer
Dieser Weg durchquert Österreich vom nördlichsten zum südlichsten Punkt. Er beginnt in Rottal an der Tschechischen Grenze und führt quer durch
Niederösterreich, die
Steiermark und
Kärnten bis zum slowenischen Grenzübergang am Kärtntner
Seebergsattel. Benannt ist er nach dem „
Eisenwurzengebiet", der Gegend rund um das untere
Ennstal, in welchem sich im späten
19. und frühen
20. Jahrhundert zahlreiche kleine eisenverarbeitende Betriebe angesiedelt haben.
Weglänge: rd. 548 km
Wanderführer (Eigenverlag) erhältlich im Fachbuchhandel oder über die Sektion Weitwanderer des Oesterreichischen Alpenvereins, p.A. Thaliastraße 159/3/16, 1160 Wien, Tel. +43(0)1/493 84 08 oder E-Mail: weitwanderer@sektion.alpenverein.at, siehe www.alpenverein.at/weitwanderer
Weglänge: rd. 437 km
Tiefster Punkt: 270 m (
Linz)
Wanderführer (Eigenverlag) erhältlich über die Sektion Weitwanderer des Oesterreichischen Alpenvereins, p.A. Thaliastraße 159/3/16, 1160 Wien, Tel. +43(0)1/493 84 08 oder E-Mail: weitwanderer@sektion.alpenverein.at, siehe www.alpenverein.at/weitwanderer
Weglänge: rd. 563 km
Wanderführer (Eigenverlag) erhältlich im Fachbuchhandel oder über die Sektion Weitwanderer des Oesterreichischen Alpenvereins, p.A. Thaliastraße 159/3/16, 1160 Wien, Tel. +43(0)1/493 84 08 oder E-Mail: weitwanderer@sektion.alpenverein.at, siehe www.alpenverein.at/weitwanderer
Das Gebiet von
Cortina d'Ampezzo gehörte ursprünglich ebenfalls zum Kronland Tirol, wurde jedoch von den Faschisten an die Provinz
Belluno angeschlossen.
Geographie [Bearbeiten]
Die Entwässerung erfolgt in Nord- und Osttirol über Inn, Drau und Lech, welche alle in die Donau münden. Südtirol und Trentino werden hauptsächlich von der Etsch und ihren Nebenflüssen entwässert. Die Teilung des Landes erfolgte fast genau an der Wasserscheide.
Karte von Tirol (1888)
Das Gebiet von Tirol ist seit Jahrtausenden besiedelt. Die ersten Siedler tauchten vor ungefähr 10.000 Jahren, also gleich nach der
Eiszeit, auf und wurden um etwa 4.000 v. Chr. durch Ackerbau treibende Völker ersetzt. Von dieser Zeit zeugen der Fund der Gletschermumie
Ötzi und einige andere Ausgrabungen in allen Teilen Tirols.
Tirol verfügte damals schon über eine Bergbaukultur. Die älteste Verhüttung wurde in der Nähe von
Brixlegg gefunden und stammt aus dem frühen 4. Jahrtausend v. Chr. In den folgenden Jahrtausenden wurden weitere Abbaustellen vor allem für Kupfer errichtet. Der Kupferabbau führte zu einem blühenden Handel, was vor allem die reichen Grabbeigaben in der Urnenfelderzeit (ca. 1400-900 v. Chr.) beweisen. Das damalige Handelsnetz reichte von der Nordsee bis zum Mittelmeer.
Die Zeit ab ca. 450 v. Chr. bis zur römischen Invasion wird als
La-Tène-Zeit bezeichnet. In dieser Zeit siedelten in den Tiroler Alpen Völker, die in den umliegenden Gebieten oft von
Kelten verdrängt worden sind. Diese meist
illyrischen Völker, die zwischen dem
Comer See (lat. Larius, ital. Lario) und
Kärnten lebten, wurden von den Römern als
Räter bezeichnet. Die Kultur bezeichnen Historiker nach den beiden wichtigsten Fundorten als die
Fritzens-Sanzeno-Kultur. Sie verfügte über Weinfässer, die später von den Römern übernommen wurden und über ein eigenes Alphabet.
Im Jahr
15 v. Chr. wurde das Gebiet von den Römischen Feldherren
Drusus und
Tiberius erobert und auf die
römischen Provinzen
Rätien und
Noricum aufgeteilt. Meran, Bozen und der äußerste Süden des Landes gehörten zur Provinz Venetia et Histria.
In dieser Zeit übernahmen die in Tirol lebenden illyrischen Stämme das Vulgärlatein und verbanden es mit ihrer eigenen Sprache. Daraus wurde dann das noch heute gesprochene
Rätoromanisch.
Tirol profitierte zu dieser Zeit vor allem durch den römischen Fernhandel, der durch die Errichtung von befestigten Straßen wie der
Via Claudia Augusta begünstigt wurde. Als Siedlungsgebiet war Tirol für die Römer aber nicht attraktiv, was die wenigen Städte beweisen. Die bekannteste römische Stadt auf Tiroler Gebiet war die Stadt
Aguntum, die sich in der Nähe von
Lienz befand.
In der Spätantike (ab 476 n. Chr.) gehörte Tirol zum (italischen) Reich der
Ostgoten. Nach dessen Zusammenbruch (550/553) erfolgte von Norden her die Einwanderung der
Baiern.
Seither gehörte der weitaus größte Teil Tirols zum
Herzogtum Bayern. Die neue bayerisch-italienische Grenze lag unmittelbar südwestlich von
Bozen.
Eppan,
Kaltern und
Salurn blieben italienisch, das
Fassatal wurde bayerisch. Die Christianisierung erfolgte durch die Bischöfe von
Brixen und
Trient. Der Grenzverlauf blieb auch während der Karolingerzeit und der Ottonenzeit unverändert.
1027 trennte Kaiser
Konrad II. zwecks Sicherung der Brennerroute das südlich angrenzende Bistum Trient von Italien ab und schlug es dem deutschen Reichsteil zu. In der Folge fiel auch das Etschtal zwischen Meran bzw. Bozen im Norden und Deutschmetz (
Mezzocorona) im Süden an Bayern. Im 12. Jahrhundert entstand im südlichen Teil des Herzogtums die Grafschaft Tirol, ausgehend von
Schloss Tirol bei
Meran.
Zum Zeitpunkt des Übergangs an die Habsburger war die Grafschaft Tirol ein geschlossenes Territorium mit etwa der heutigen Größe. Das Unterinntal unterhalb von Schwaz gehörte allerdings weiterhin zu Bayern, das Zillertal zu Salzburg.
Brixen und das
Pustertal waren bischöfliche Territorien bzw. Teil der
Grafschaft Görz. Dafür war das
Montafon tirolisch.
Unter den Habsburgern hatte das Gebiet große strategische Bedeutung, da es nicht nur an vielen wichtigen
Alpenpässen Anteil hatte, sondern auch eine Landbrücke in ihre
alemannischen Besitzungen darstellte.
1406, im Zuge der habsburgischen Erbteilungen wurde es wieder zu einer eigenen Herrschaft, in der die
Landstände, zu denen in Tirol auch die Großbauern gehörten, bedeutende Mitspracherechte hatten.
Friedrich IV. verlegte seine Residenz nach
Innsbruck, das von da an Meran überflügelte.
Im Jahre
1525 geriet Tirol in den Sog der deutschen Bauernkriege. Der Aufstand in Tirol wurde von
Michael Gaismair angeführt, wurde allerdings nach zwei Monaten wieder niedergeschlagen.
Im späten 16. und in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts kam es zu den letzten Änderungen der Bevölkerungsstruktur bis 1919, die vor allem durch die Gegenreformation verursacht wurden. In dieser Zeit verstärkte sich der italienische Einfluss im Trentino, was zum einen durch die Besetzung der Pfarreien mit italienischen Priestern und zum anderen durch die Zuwanderungen aus der Po-Ebene herbeigeführt wurde. Durch diese Entwicklung entstanden die heute bekannten deutschen Sprachinseln und die noch heute gültige deutsch/italienische Sprachgrenze. In der Region rund um den
Reschenpass wurde die rätoromanische Sprache endgültig verdrängt, was vor allem durch die Feindschaft mit den meist protestantischen Rätern im Unterengadin herbeigeführt wurde.
Tirol blieb im Gegensatz zu anderen Gebieten des Deutschen Reiches vom 30-jährigen Krieg fast vollständig verschont. Es kam nur in den Gemeinden
Leutasch und
Seefeld zu größeren Plünderungen.
1703 im Spanischen Erbfolgekrieg stießen die Bayern nach Tirol vor, erlitten aber an der
Pontlatzer Brücke (bei Landeck) eine Niederlage und wurden aus dem Land getrieben.
1796/
1797 griffen die Franzosen zum ersten Mal Tirol an und besetzten einige Ortschaften. Die Tiroler Landesverteidigung konnte sie wieder vertreiben.
Die Erschießung von Andreas Hofer in
Mantua am 20. Februar 1810
Tirol unter bayerischer Herrschaft 1808
Die entscheidende Niederlage erlitten die Österreicher und Tiroler bei
Wörgl am
13. Mai. In Folge kamen Teile des Landes vorübergehend an
Italien und an die
Illyrischen Provinzen Frankreichs;
1814 wurde das Land aber wiedervereinigt und kam zurück an den Habsburger Vielvölkerstaat Österreich. Das seit alters Salzburger Zillertal fiel mit Salzburg 1805 an Österreich und 1810 an Bayern. (Wohl) 1814 kam es (innerhalb Österreichs) an Tirol. Es gab jedoch auch kleinere Erfolge der Tiroler, wie z.B. im "Giggler Tobl", wo die Frauen und Kinder des
Paznauns mit Steinlawinen und anderen primitiven Waffen die Bayern aus ihrem Tal hielten.
1919, im
Friedensvertrag von St. Germain, kam das Gebiet südlich des
Brenners an
Italien. Italien hatte ungeachtet der viel weiter südlich verlaufenden deutsch-italienischen Sprachgrenze die Wasserscheide zwischen
Mittelmeer und
Schwarzem Meer als seine Nordgrenze beansprucht, die anderen
Alliierten hatten diesem Punkt zugestimmt, nicht zuletzt um das politisch instabile Italien an sich zu binden (siehe
Londoner Geheimverträge). Seither ist das Land Tirol geteilt; auch weitere Versuche nach dem
Zweiten Weltkrieg, zumindest den Gebietsteil mit deutschsprachiger Bevölkerung wieder an das österreichische Tirol anzugliedern, scheiterten; im Gegenzug konnte 1948 und 1972 (1. und 2. Autonomiestatut) eine – seither noch bedeutend ausgebaute –
Autonomie für Südtirol erreicht werden (
Gruber-De Gasperi-Abkommen).
Heute hat Tirol wieder eine schwache eigene Organisationsform als
Europaregion (Euregio) gefunden.
Südtiroler Wappen
1165–1180
Berthold, ab 1141 Graf von Tirol
Ferdinand II. von Tirol und habsburgische Statthalter
Jüngere Tiroler Linie
Der
Tourismus stellt einen wichtigen Wirtschaftszweig dar. Allein der österreichische Teil von Tirol verzeichnet mehr Gästenächtigungen (43 Millionen) als ganz Griechenland.
Die gesamte Tiroler Region verfügt aber auch über moderne Industrieansiedlungen, die sich vor allem durch
Swarovski, die
Planseewerke, und Sandoz Kundl in Nordtirol, durch Seilbahnbauer
Leitner AG, die Bergsportgruppe
Salewa und die
Südtiroler Speckerzeuger einen Namen gemacht hat. Südtirol ist zudem für seine sonnenverwöhnte Tal- und Gebirgslandschaft, seinen Wein und für seinen Obstanbau bekannt.
Das gesamte Gebirgsland Tirol ist im Allgemeinen ein sehr wohlhabendes Land, dennoch gibt es zwischen den Landesteilen in Italien und in Österreich auch wirtschaftliche Unterschiede: Die deutlich reicheren Regionen sind Südtirol und das Trentino, die zugleich die wohlhabendsten Provinzen Italiens sind. Das Pro-Kopf-Einkommen liegt hier um 36 Prozent über dem EU-Schnitt, während das Pro-Kopf-Einkommen im österreichischen Nord- und Osttirol (nur) um 13 Prozent darüber liegt. Dies ist vor allem auf den wesentlich höheren Anteil Südtirols und des Trentino am Tourismus zurückzuführen.
Die Arbeitslosenstatistik sieht für die beiden Provinzen in Italien wesentlich günstiger aus: Südtirol und das Trentino haben mit 2-3 Prozent Arbeitslose an der Gesamtbevölkerung fast Vollbeschäftigung. In Nord- und Osttirol dagegen liegt die Arbeitslosenquote bei ca. 6 Prozent, was wiederum auf den zweisaisonalen (Sommer und Winter) Tourismus, der in Nord- und Osttirol wesentlich stärker präsent ist, zurückzuführen ist. Aber auch im Bundesland Tirol liegt die Arbeitslosigkeit unter dem österreichischen Durchschnitt.
Die Staatsgrenze, die Tirol durchzieht, ist weder eine Sprach- noch eine Kulturgrenze. Unterschiede in den
Kulturen Tirols sind wenig festzustellen. Ebenso ist die sogenannte Sprachgrenze der Salurner Klause umstritten, da es seit jeher Deutschsprachige in
Welschtirol und Italienischsprachige im heutigen
Südtirol gab. Beispielsweise wird in allen Landesteilen das Schützenwesen (
Schützenvereine) mit jährlichen Umzügen (Schützenkompanien) und Festen gepflegt.
Europaregion Tirol-Südtirol/Alto Adige-Trentino [
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Aufgrund der Gemeinsamkeiten wurde auf Basis 1998 die
Europaregion Tirol-Südtirol/Alto Adige-Trentino gegründet. Mit Hilfe der Euregio will man die Zusammenarbeit zwischen Tirol, Südtirol und Trentino durch grenzüberschreitende Initiativen und Projekte fördern. Es finden nicht nur gemeinsame Landtage statt, sondern auch das gemeinsame kulturelle und politische Leben wird vertieft.
Dank der
Europäischen Union verschwinden die politischen Grenzen in Europa, insbesondere zwischen den Gebieten Tirols, immer mehr (Grenzposten und Grenzkontrollen gibt es de facto schon seit Jahren nicht mehr). Darüber hinaus trägt der
Euro als gemeinsame Währung zusätzlich zum wirtschaftlichen Zusammenwachsen der gesamten Region bei.
Satellitenaufnahme der Alpen Die Alpen mit den Grenzen der Staaten
Entstehung
Die
geologische Auffaltung des Decken - und
Faltengebirges der Alpen entstand vor etwa 30-35 Millionen Jahren, als die afrikanische
Kontinentalplatte nach Norden auf der
Fließzone driftete und mit der eurasischen Platte kollidierte. Dabei schob sich die eurasische Platte unter die afrikanische Platte. Zum Hochgebirge wurden sie durch Hebung des gefalteten Gebirgskörpers, die bis zur Gegenwart anhält. Die heutige Gebirgsform erhielten die Alpen durch Erosion, vor allem durch die abtragende Tätigkeit der
Gletscher während der
Eiszeiten. Die Alpen wachsen jedes Jahr um 1-2 mm.
In den Nord- und Südalpen bilden
Meeresablagerungen, besonders
Kalke und
Dolomite, das Gebirge. In den Zentralalpen stehen auch kristalline Gesteine des tieferen Untergrunds an.
Tektonisch ist das Alpenorogen in die nach Norden transportierten Decken des Helvetikums, Penninikums und Ostalpins, sowie das gefaltete Südalpin gegliedert.
Plattentektonik
Im Mittelmeerraum kann diese Gebirgsbildung auf die schrittweise Öffnung des Atlantiks zurückgeführt werden. Dadurch wurde der afrikanische
Kontinent aus
Pangäa herausgebrochen und in einer Drehbewegung gegen Europa gedrückt. Dazwischen befand sich die Adriatische Platte, die von zwei Ozeanarmen, die vom Atlantik bis zur
Tethys reichten, umschlossen wurde. Nach Süden hin lagen am Südrand der kontinentalen Kruste Europas das
Helvetikum und das Nord- und Mittel
penninikum. Noch weiter südlich davon befand sich die Adriatische Platte mit dem Ost- und Südalpin.
Mit der Öffnung des Nordatlantiks im mittleren
Dogger nach
paläomagnetischen Daten vor etwa 170
mya begann in der
Paratethys nördlich der adriatischen Platte die Bildung des Südpenninikums aus ozeanischer Kruste. Während der
Kreide beginnt durch die Öffnung des Südatlantiks (vor etwa 125 mya) die
Subduktion und
Akkretion des Südpenninikums an das Ostalpin. Ab dem
Eozän vor etwa 53 mya führte Afrika eine direkt nordgerichtete Bewegung aus und trieb so die adriatische Platte wie einen Sporn in den südlichen Bereich von Europa hinein. Die Kollision und damit die erste große kompressive Gebirgsbildungsphase dauerte nur etwa 5 mya vom Obereozän bis zum Unter
oligozän. Dabei wurde das Ost- und Südalpin in der jungalpidischen (pyrenäischen) Faltungsphase auf das Mittelpenninikum überschoben und Bereiche verdünnter Kruste wurden unterschoben. Mit der weiteren Kollision wurden auch das Nordpenninikum und schließlich das Helvetikum überfahren, bis die Struktur des alpinen Deckengebäudes im
Pliozän vollendet war. Diese Einengung führte mit Überschiebungsweiten von mehreren 100 Kilometern zum heutigen Deckenbau der Alpen.
Durch den
isostatischen Ausgleich in der Kruste hob sich das Gebirge, dessen
Erosion ab dem Unter-Oligozän den nördlich gelegenen
Molassetrog füllte. Im Maximum der alpidischen Orogenese wuchs das Gebirge um etwa 5 mm/Jahr in die Höhe. Dieser Druck dauert bis heute an, der Wuchs beträgt jedoch weniger als 1 mm/Jahr. Ebenso bewegen sich die Platten auch weiterhin im Jahr ca. 5 cm aufeinander zu.
Gesteinseinheiten
Das
Südalpin findet sich südlich der „Periadriatischen Naht" als Bergamasker Alpen, Dolomiten usw. bis zu den dinarischen Decken.
Im
Paläozoikum entstand ein gefalteter Sockel aus
Graniten,
Gneisen und anderen Gesteinsarten; zum Teil wurden sie in spätere Faltungen wieder mit einbezogen.
Seit der
Trias bildeten sich in den Ozeanen östlich des Adriatischen Sporns die Kalksteine der ostalpinen Decken, die im Wesentlichen die heutigen Kalkalpen ausmachen. In der Untertrias entstehen Salz führende Schichten (
Werfener Schichten), die auf
arides Klima schließen lassen.
Im
Känozoikum entstehen im Molassemeer tonig-sandige
Sedimente aus dem Hinterland, von
Flysch randlich überschoben und zum Teil in Faltung mit einbezogen.
Ausformung
Das erdgeschichtlich jugendliche Alter der Alpen wird sichtbar an den schroffen Felswänden, den scharfen Graten und an den tiefen und steilen Tälern mit unausgeglichenem Gefälle. Das Wechselspiel von Hebung und Abtragung (durch
Gletscher,
Flüsse,
Frost,
Sonne) mit der Lagerung und Widerstandsfähigkeit der Schichten formt bis heute die Alpen. Durch die Modellierung (modellierende Überformung) in der Eiszeit prägten die Gletscher das Bild und schufen neue Oberflächenstrukturen, wie
Grate und
Kare durch
periglaziale Verwitterungen und
Glazialerosion; nach Zurückweichen des Eises bildeten sich
Seen und
Endmoränen.
Topographische Gliederung
Vertikal gliedert man die Alpen in die Region des
Alpenvorlandes bis zur oberen Waldgrenze (1500 bis 2000 m NN), in die
Mittelalpen bis zur Schneegrenze (2000 bis 3100 m NN), darüber in die
Hochalpen. Horizontal gesehen gilt die Linie
Rheintal-
Splügen-
Comer See als Grenze zwischen den Ost- und Westalpen.
Überblick
Die Alpen sind
Klima- und
Wasserscheide zwischen Mitteleuropa und dem zentralen Mittelmeerraum. Sie schließen nördlich des
Golfs von Genua an den
Apennin an, umfassen in weitem Bogen nach Westen die
Poebene, verzweigen sich beim
Lac du Bourget in den Französischen und Schweizer
Jura und enden nach 750 km westöstlicher Erstreckung fächerförmig im Osten vor dem westpannonischen Berg- und Hügelland an der
Donau bei
Wien. Im Nordosten sind die Alpen durch das
Wiener Becken von den geologisch verwandten
Karpaten getrennt, im Südosten gehen sie in das stark verkarstete
Dinarische Gebirge über. Im Norden fallen die Alpen allmählich zum österreichischen und deutschen
Alpenvorland ab. Im Süden ist der Abfall zur
Poebene steiler. Die Gesamtlänge der Alpen von
Genua bis
Wien beträgt etwa 1200 Kilometer, die Breite 150 bis 200 Kilometer, im Osten bis 300 Kilometer. Die Gipfelhöhen in den westlichen Gebirgsstöcken liegen meist zwischen 3000 und 4300 Metern über
NN, in den Ostalpen sind die Berge etwas niedriger. Der höchste Gipfel der Alpen ist der
Mont Blanc mit 4808 Metern. Die höchsten Berge der Alpen findet man in der
Liste der Viertausender in den Alpen.
Ostalpen
Die Ostalpen sind niedriger und etwas "sanfter" als die
Westalpen, ebenso die meisten ihrer
Übergänge (
Pässe). Der Alpenbogen im Osten verläuft aber weniger gekrümmt und fächert sich in mehr einzelne
Gebirgsketten auf. Daher sind die Ostalpen breiter als die Westalpen, sodass bei der
Alpenüberquerung oft 2 bis 4 Pässe zu überwinden sind. Die Ostalpen beginnen in der Ostschweiz und durchziehen die ganze Länge Österreichs - von
Vorarlberg bis hin zum
Burgenland.
Das größte inneralpine Senkungsfeld ist das Klagenfurter Becken, welches von stehengebliebenen Pfeilern des Grundgebirges, tertiären Konglomeratrücken, Moränen und Schotterfeldern des eiszeitlichen
Draugletschers erfüllt ist. Es ist reich an
Seen (
Kärntner Seen) und
Mooren. Markant ist auch das
Wiener Becken, wo der Übergang zwischen Alpen und
Karpaten bis zu 6 Kilometer in die Tiefe gesunken ist.
Folgende Staaten haben Anteil an den Ostalpen (gereiht nach Gebirgsfläche):
Die vorwiegend kristallinen
Zentralalpen werden von den Nördlichen Kalkalpen durch die
Grauwackenzone und von den Südlichen Kalkalpen durch die Störungslinie der
periadriatischen Naht getrennt. Die großen
Längstalzüge folgen zwar oft den Gesteinsgrenzen, durchschneiden aber stellenweise deren Zonen. Daher können die geologischen Zuordnungen von den geografischen oder denen der
Alpenvereine abweichen.
Nordalpen
Ihre Gebirgsgruppen sind (von West nach Ost):
Bregenzerwaldgebirge,
Rätikon,
Lechquellengebirge,
Allgäuer,
Lechtaler und
Ammergauer Alpen,
Wettersteingebirge,
Karwendel- und
Rofangebirge,
Bayerische Voralpen,
Kaisergebirge,
Berchtesgadener Alpen,
Salzkammergutberge sowie die
Niederösterreichischen Kalkalpen und der
Wienerwald.
Zentralalpen
Die
Zentralalpen bestehen hauptsächlich aus harten, wasserundurchlässigen
Gneisen und
Granitgneisen (grobes Blockwerk) sowie Glimmerschiefern. Sie sind reich an Quellen, Bächen und Karseen, im Westen auch an Gletschern. Es finden sich ausgedehnte Almmatten,
Lärchen- und
Fichtenwälder.
Südalpen
Westalpen
In den Westalpen wird eine Reihe kristalliner Zentralmassive (
Mercantour,
Pelvoux,
Belledonne,
Grandes Rousses,
Mont Blanc,
Aar- und
Gotthardmassiv) durch Täler mehr oder weniger scharf von einer
Gneiszone im Süden (
See-,
Cottische,
Grajische,
Walliser und
Tessiner Alpen) sowie einer Kalkzone im Westen und Norden (
Provenzalische Voralpen,
Dauphinéer,
Savoyer,
Berner,
Glarner Alpen) abgetrennt.
Teile der Westalpen liegen in:
Italien, höchster Berg ist ebenfalls der
Mont Blanc, allerdings nicht die eigentliche Gipfelregion, die zu Frankreich gehört
Flora
In den Alpen haben etwa 650
Blütenpflanzenarten ihren Verbreitungsschwerpunkt, insgesamt kommen im Alpenraum rund 4500 Arten vor.
Die
Alpenflora enthält viele arktisch-alpine Elemente, etwa den Steinbrech
Saxifraga aizoon. Sie sind Relikte der
Eiszeiten, als in Mitteleuropa
Tundren herrschten. Es bestehen auch Verbindungen zu den nordasiatischen Gebirgen (beispielsweise
Gentiana verna). Die Alpenflora enthält – bedingt durch die Vergletscherung – relativ wenige
endemische Arten, lediglich in den eisfrei gebliebenen Südalpen sind Endemiten häufiger.
Typischerweise mit den Alpen identifizierte Pflanzenarten sind oft Arten mit auffälligen Blüten: allen voran das
Edelweiß (
Leontopodium alpinum), die Rhododendren und die blauen
Enzian-Arten (
Gentiana spp.).
Vegetation
Die Alpen sind ein interzonales Gebirge, d. h., sie liegen zwischen dem Zono
biom VI (Winterkalte Gebirge mit laubwerfenden Wäldern) im Norden und dem Zonobiom IV (mediterranes Zonobiom) im Süden. Daher unterscheiden sich die Nord- und Südseite recht stark. Hinzu kommt die stark kontinental geprägte
Vegetation der inneralpinen Täler. In den Alpen reicht die colline
Höhenstufe bis etwa 400 m, die
submontane Stufe von 400 bis 700 m. Neben der
Exposition und der Höhenlage spielt auch die Bodenbeschaffenheit eine entscheidende Rolle für die Ausprägung der Vegetation. Hier sind vor allem verschiedene Kalk- und
Silikatstandorte zu nennen. Hinzu kommen Faktoren wie die Dauer der Schneebedeckung und die Wasserversorgung.
Montane Stufe
In der montanen Waldstufe ergibt sich folgende Stufenfolge der dominierenden Baumarten:
Helvetische Höhenstufenfolge: Im gemäßigt mitteleuropäischen Klima am Nordrand ist die Reihenfolge von unten nach oben:
Eiche –
Rotbuche –
Fichte.
Penninische Höhenstufenfolge: In den kontinental trockenen
Zentralalpen ist die Reihenfolge
Kiefer – Fichte –
Arve/
Lärche. Hier liegt die Waldgrenze 400 bis 600 m höher als am Alpenrand.
Die obere
Waldgrenze ist heute weitgehend vom Menschen bestimmt und variiert stark (1400 bis 2000 m). Die seit Jahrhunderten bestehende
Almwirtschaft hat die Waldgrenze nach unten gedrückt.
Subalpine Stufe
Die subalpine Stufe (bis ca. 1900 – 2200 m) bildet den Übergang (
Ökoton) von der Waldstufe zur baumlosen alpinen Stufe. Sie ist durch eine Strauchstufe gekennzeichnet. An trockenen Standorten, wie sie auf Karbonatgestein aber auch auf Silikat-Blockwerk vorherrschen, ist dies die
Latschen-Kiefer (
Pinus mugo), auf lehmigen Böden, die in Silikatgebieten großflächig auftreten, die
Grün-Erle. Beide werden hier bis etwa mannshoch. In Lawinenrinnen steigen beide Arten auch wesentlich tiefer, da sie aufgrund ihrer Biegsamkeit den Schneedruck überstehen. Die hochsubalpine Stufe wird vom
Zwergwacholder und den beiden
Rhododendren (Almrausch) gebildet:
Rhododendron hirsutum (auf Kalk) und
Rh. ferrugineum (kalkarme Böden).
Alpine Stufe
Die alpine Stufe (bis ca. 2500 – 3000 m) wird durch verschiedene
Rasen gebildet, die den Boden noch weitgehend geschlossen bedecken. Bestimmend für die Vegetation ist besonders die „
Aperzeit", also die Zeit ohne Schneebedeckung. Weitere Faktoren sind die Windexponiertheit (besonders die dadurch bedingte Schneefreiheit im Winter), sowie der Gesteinsuntergrund. Bedingt durch diese Faktoren und das unruhige Relief ergibt sich ein sehr kleinräumiges Vegetations-Mosaik .
Die wichtigsten Rasengesellschaften sind in den Kalkalpen auf tiefgründigem Boden der
Rostseggenrasen (Caricetum ferrugineae), auf flachgründigerem das Seslerio-Caricetum sempervirentis und auf Kalkfelsen das Caricetum firmae. Auf saurem Gestein ist der
Krummseggenrasen (Caricetum curvulae) dominierend, auf überweideten Rasen der
Borstgrasweide (Nardetum). Besonders die Kalkrasen zeichnen sich durch ihren Blumenreichtum aus.
Die Auswirkung der Aperzeit ist besonders deutlich in den
Schneetälchen. Diese liegen meist am Fuß von Nordhängen der Silikatalpen in der oberen alpinen Stufe. Hier sammelt sich im Winter viel Schnee an, der im Sommer spät bis gar nicht abtaut, wodurch um den Schneerest verschiedene Zonen entstehen. Bei einer Aperzeit von über drei Monaten wächst der normale Krummseggenrasen, mit kürzerer Aperzeit wird die
Kraut-Weide häufiger, die bald dominiert und das Salicetum herbaceae bildet. Charakteristische Arten sind auch
Alpen-Mutterwurz und
Alpenglöckchen. Bei einer durchschnittlichen Aperzeit von unter zwei Monaten dominieren Moose, vor allem
Polytrichum sexangulare.
Im Bereich von Almhütten bilden sich
Lägerfluren. Auf den vom Vieh gedüngten und verdichteten – und dadurch feuchten – Stellen wachsen nährstoffliebende Hochstauden.
Charakteristisch ist auch die Gesellschaft an den Windkanten mit der dominierenden
Gamsheide (
Loiseleuria procumbens).
Nivale Stufe
Die nivale Stufe befindet sich über der klimatischen Schneegrenze. Pflanzen gedeihen nur dort, wo der Schnee nicht liegenbleibt oder im Sommer frühzeitig schmilzt. Eine Vegetationsdecke ist nur sehr kleinflächig ausgebildet, oft wachsen Pflanzen vereinzelt. Rund 150
Blütenpflanzen-Arten steigen über 3000 m, zudem viele
Flechten. Zu den am höchsten steigenden Blütenpflanzen gehört der
Gletscher-Hahnenfuß, den Höhenrekord hält jedoch der
Steinbrech Saxifraga biflora mit 4'450 m ü. M. am
Dom de Mischabel im
Wallis.
Fauna
In den unteren Lagen entspricht die Tierwelt der Alpen der des umgebenden Flachlandes. In den
hochmontanen Nadelwäldern finden sich etliche Arten des
borealen Nadelwaldes. Sie sind an feucht-kühle Bedingungen gebunden, haben Europa nacheiszeitlich von Osten wiederbesiedelt und kommen heute in Mitteleuropa nur in den Hochlagen vor. Nur an wenigen in den
pleistozänen Eiszeiten unvergletschert gebliebenen, räumlich isolierten
Refugien konnten auch einige
präglaziale Faunenelemente überdauern, beispielsweise bestimmte Schnecken und Käfer.
Viele charakteristische Alpentiere leben oberhalb der Baumgrenze, im Oreal. Bei einigen Arten ist dies allerdings auch als Ausweichen vor dem Menschen zu interpretieren. Viele sind verwandt mit Arten der
Tundra, bzw. kommen auch dort vor. Ebenso bestehen enge Beziehungen zu anderen
Hochgebirgen. Bei der Hochgebirgsfauna Europas handelt es sich oft um Überbleibsel (Reliktpopulationen) von eiszeitlicher Tierwelt, die
postglazial in den tiefer liegenden Landschaften wieder verschwunden ist – man spricht von einer
Arealdisjunktion. Nach ihrem Ursprung werden arkto-alpine Verbreitungstypen (Herkunft aus Tundren) und boreo-alpine Verbreitungstypen (Herkunft aus der
Taiga) unterschieden.
Typische Arten der
Säugetiere sind unter anderen
Gämse,
Alpensteinbock,
Murmeltier und
Schneemaus, unter den
Vögeln sind
Alpendohle,
Kolkrabe,
Ringdrossel,
Schneefink,
Steinadler,
Tannenhäher und
Alpenschneehuhn zu nennen. In den slowenischen Alpen gibt es noch heute Braunbären und einzelne konnten sich auch im Naturpark
Adamello im
Trentino, Italien halten. Seit den '90er Jahren gibt es durch Zuwanderung aus Slowenien und gezielte Auswilderungen auch wieder eine kleine Population dieser Raubtiere in den österreichischen Alpen. Die meisten davon leben im Gebiet des
Naturparks Ötscher-Tormäuer. Einige
Wölfe konnten in den
Meeralpen überleben. Der
Steinadler ist zwar in der nördlichen Hemisphäre weit verbreitet, in Mitteleuropa ist er jedoch auf die Alpen und
Karpaten beschränkt. Mehrere Großtiere wurden vom Menschen ausgerottet, darunter
Luchs,
Bart- und
Gänsegeier, die sich durch Schutzmaßnahmen und Auswilderungsprojekte inzwischen wieder zu etablieren beginnen. Bei einigen
Wirbeltieren ist ein saisonbezogener
Dimorphismus zu beobachten: Ein dunkles Sommerhaar- bzw. -federkleid wird im Winter durch eine weiße Tarntracht ersetzt (vergleiche:
Schneehase, Alpenschneehuhn). Unter den
Amphibien hat der schwarz gefärbte
Alpensalamander eine spezielle Anpassung an die alpinen Lebensräume entwickelt. Als einziger mitteleuropäischer
Lurch ist der Alpensalamander
lebendgebärend. Die Entwicklung der Larven im
Uterus des Weibchens dauert je nach Höhenstufe zwei bis drei Jahre. Damit ist die Art unabhängig von Oberflächengewässern, in denen die
Larven anderer Amphibienarten ihre Entwicklung vollenden. Der Alpensalamander kommt in Höhen von bis zu 2800 Metern (Österreich) vor.
Auch die
Reptilienarten Waldeidechse und
Kreuzotter – beide sind in den Alpen montan bis alpin verbreitet – haben sich mit der Umstellung von Eiablage auf das Lebendgebären an widrige äußere Bedingungen, hier insbesondere niedrige Temperaturen, angepasst. In der Schweiz kann man mit der
Aspisviper eine weitere
ovovivipare Schlangenart bis in Höhen von 3000 Metern antreffen.
Unter den typischen
Insekten der Alpen fallen beispielsweise „pelzige" Vertreter der
Hummeln auf (
Alpenhummel,
Bombus alpinus), während unter den
Schmetterlingen besonders dunkle Formen zu finden sind, beispielsweise der
Eismohrenfalter (
Erebia pluto). Allerdings kommen auch helle Arten wie der
Alpenbläuling (
Albulina orbitulus) und der
Alpen-Apollofalter (
Parnassius phoebus) noch in Höhenlagen von 3000 Metern vor. Vermutlich aufgrund des zahlenmäßigen Zurücktretens von Fluginsekten sowie wegen der
Windexposition sind dagegen
Radnetzspinnen in höheren Regionen offenbar nicht vertreten.
Klima
Generell sind die Alpen aufgrund des starken
Reliefs durch ein sehr kleinräumiges Klima und Wettergeschehen ausgezeichnet. Die wichtigsten klimatischen Einflüsse sind: Westwinde mit milden, feuchten Luftmassen vom Atlantik, kalte Polarluft von Norden, trockene kontinentale Luftmassen aus Osten (kalt im Winter, heiß im Sommer) und warme
mediterrane Luft von Süden.
Der Großteil der Alpen wird vom mitteleuropäischen Klima beeinflusst. Weite Teile der Nordalpen ähneln in ihrem thermischen Jahresgang dem angrenzenden Flachland, mit Ausnahme der Abnahme der mittleren Jahrestemperatur (um 0,50 bis 0,65 °C je 100 m Höhenzunahme). Die Niederschlagsmaxima werden im Sommer erreicht. Die den Westwinden ausgesetzten Randzonen der Alpen erhalten vielfach 2.000 bis 3.000 mm Niederschlag pro Jahr.
Die südlichen Alpenteile sind vom mediterranen Klima beeinflusst. Neben im Vergleich zu Mitteleuropa milden Wintern und heißen Sommer führt dies auch zu einer Verlagerung der Niederschlagsmaxima Richtung Frühjahr und Sommer.
Ein weiteres Wetterphänomen ist der
Föhn, ein warmer Fallwind.
Die direkte Sonneneinstrahlung ist aufgrund der geringeren Dichte der
Atmosphäre höher, zugleich die diffuse Strahlung geringer. Das erhöht den Unterschied zwischen sonn- und schattseitigen Hängen.
Klimawandel in Verbindung mit den Alpen
Gletscher im Rückzug
Aufgrund des Klimawandels schmelzen die
Gletscher drastisch ab. Klimaschwankungen sind nicht unbekannt und Gletscher sind ein
Klimaarchiv. Gletscher ziehen sich heute schneller zurück, als es früher der Fall war. Laut Messungen verloren die Gletscher seit Beginn der
Industrialisierung bis 1980 ein Drittel ihrer Fläche und die Hälfte ihrer Masse. Seit 1980 sind zusätzliche 20-30 Prozent des Eisvolumens abgetaut.
Jedoch belegen neueste Untersuchungen, dass das Gletschereis vor Tausenden von Jahren einmal komplett abgeschmolzen sein muss.
[2] Auftauen des Permafrosts
Eis ist in den Alpenregionen nicht nur sichtbar über dem Erdboden anzutreffen. Ausgedehnte
Permafrostregionen findet man oberhalb von 2000 m. Das Wasser stabilisiert den Untergrund, da es das ganze Jahr über darin gefroren bleibt. Aufgrund der Klimaerwärmung besteht jedoch die Gefahr, dass das Eis auftaut und die Hänge infolge dessen rutschen. Zahlreiche Dörfer sind von Felsstürzen,
Schutt - und Gerölllawinen bedroht. Mithilfe von Schutzdämmen sollten Täler und
Infrastruktur geschützt werden.
Trinkwasser in Gefahr
Gletscher sind lebenswichtige
Trinkwasserreservoirs. In Gletscherregionen entspringen viele große europäische Flüsse, wie beispielsweise der
Rhein, die
Aare und die
Rhône. Das stark abschmelzende Gletschereis bewirkt einen Anstieg des Wasser
pegels. Niederschlagswasser füllt die eisfreien Fels- und Schuttgebiete und infolgedessen gelangt unbefestigter
Moränenschutt in die Täler.
Hochwasser, Gesteinslawinen und Überschwemmungen sind als Folge der Umwandlung nicht auszuschließen. Durch das Abtauen des Eises in den Gletscherregionen steigt die Gefahr von Wassermangel. Die Wasserverfügbarkeit verändert sich, und dies wirkt sich negativ auf den Wasserhaushalt großer Landstriche aus.
Verlust der Artenvielfalt
Die
Klimaveränderung bewirkt, dass viele Pflanzenarten in höhere Lagen umsiedeln. Die alpinen Pflanzenarten haben sich in den vergangenen Jahrzehnten zwischen einem halben Meter und mehreren Metern aufwärts verschoben. Laut Prognose leben heute mehr Arten in höheren Lagen, als dies vor 100 Jahren der Fall war. Wissenschaftler schätzen, dass 1/4 der 400
endemischen Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sind.
Alpenwälder
Rund 1/5 des Alpenwaldes kommt eine besondere Schutzfunktion zu.
Luftverschmutzungen machen den Wäldern zu schaffen. Dazu kommt noch der Klimawandel. Dies macht sich bei umgeknickten Bäumen bereits bemerkbar. Infolgedessen ist die Landschaft von kahlen Hängen und ungeschützten Tälern geprägt.
Kulturgeschichte der Alpen
Berglandwirtschaft
Bergweide
In den Alpen verdrängte die
neolithische Landwirtschaft um ca. 4500 v. Chr. die Jäger und Sammler der
Altsteinzeit. Dichte Waldbedeckung erschwerte anfangs die Nutzung großer Weidegebiete, allmählich entwickelte sich jedoch die
Transhumanz im Alpenraum, bei der die Tiere den Sommer in der Höhe und den Winter im Tal verbringen. Etwa gleichzeitig kam die alpine
Autarkiewirtschaft mit Ackerbau und Viehzucht in bereits gerodetem Gelände hinzu, welche ganzjährige Besiedlung ermöglichte.
Diese Autarkiewirtschaft entwickelte sich nördlich und südlich der Alpen jeweils unterschiedlich: Während im germanischen Raum die
Viehzucht klar dominierte, war der
Ackerbau im romanischen Raum gleich stark vertreten. Dies führte zu unterschiedlichen Ernährungsweisen sowie Unterschieden in der Familien- und Siedlungsstruktur. Zwischen 1600 und 1850 entstand besonders im nördlichen Alpenraum eine selbstständige
Bergbauernkultur, die sich etwa im Bau prächtiger
Bauernhäuser aus Holz manifestierte und bei der die nachhaltige Naturnutzung als Schutz vor Naturgefahren im Vordergrund stand.
Im
19. Jahrhundert erreichte die
Industrialisierung auch den Alpenraum. Es war allerdings weniger die Industrie, als vielmehr die
Dienstleistungsgesellschaft des
20. Jahrhunderts, welche die herausragende Stellung der Berglandwirtschaft beendete. Der
Tourismus brachte Geld in die Alpentäler, trieb allerdings auch etliche überflüssig gewordene landwirtschaftliche Arbeitskräfte in die Auswanderung. Unter steigendem ökonomischem Druck schwindet die Vielfalt der Land- und Forstwirtschaft in den Alpen, auch wenn sie dank der Maschinisierung leichter denn je zu betreiben ist.
Kultur- und Sprachgruppen
Im frühen
Mittelalter entwickelten sich die Alpen zur Sprach- und Kulturgrenze zwischen
germanischen im Norden und
romanischen Sprachgruppen im Süden und Westen, unter Berücksichtigung der südslawischen
Slowenen am östlichen Alpenrand. Von der Vielfalt an
Dialekten, die die ursprüngliche Abgeschiedenheit der Täler mit sich brachte, bleibt heute immer weniger übrig. Trotz der Konkurrenz durch die
deutsche und die
italienische Sprache konnten die alpinen Kleinsprachen
Rätoromanisch,
Ladinisch und
Friaulisch überleben. Ein interessantes Phänomen in sprachgeschichtlicher Hinsicht stellt die Ausbreitung des alemannischen
Walser-Dialekts vom
Oberwallis bis an die Grenze
Tirols dar, welche durch die Inbesitznahme und Bewirtschaftung hoch gelegener Weidegründe zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert erfolgte.
Brauchtum
Festlichkeiten und Bräuche im Alpenraum sind tief verwurzelt in Geschichte und Religion. Sie entstanden oft in Verbindung mit überlieferten Dichtungen,
Sagen oder Erzählungen, die sich häufig mit Göttern und Dämonen befassten. Die Menschen wollten die Urgewalten der Natur beschwören und sich vor Naturgefahren schützen. Als das Christentum im Frühmittelalter in das Alpengebiet vordrang, vermischten sich heidnische Bräuche mit christlichen Feiern. Die verbreiteten Steinsetzungen (
Steinmännchen) scheinen sowohl praktischen als auch kultischen Hintergrund zu haben. Das bäuerliche Element spielte im alpinen
Brauchtum und der alpinen
Volksmusik stets eine herausragende Rolle (
siehe auch:
Almsegen,
Almabtrieb,
Jodel,
Alpenländische Volksmusik).
Alpenmythos
Mit
Goethes Reisen durch die Alpen im späten
18. Jahrhundert wurde das Gebirge in der europäischen Kunstwelt erstmals als Phänomen wahrgenommen. Was vorher für eine unwirtliche, von grobschlächtigen Bauern und gefährlichen Drachen bewohnte Wildnis gehalten wurde, begannen Maler, Reisende und Literaten als „Traumlandschaft" zu schildern. Ein bekannter Zeitgenosse, der Genfer Naturforscher
Horace-Bénédict de Saussure, verwob in seinen Reisebeschreibungen wissenschaftliche Erkundung und ästhetisches Empfinden. Gerade die früher als „Alpendemokratie" verklärte Schweiz zehrt zuweilen heute noch vom Alpenmythos der frühen
Romantik, auch wenn etwa
Max Frisch in seinen Werken gegen ihn ankämpfte.
Tourismus
Die Alpen sind sehr intensiv touristisch erschlossen. Bereits im
19. Jahrhundert prägten die Engländer den Begriff von den Alpen als
playground of Europe (siehe
Alpinismus). Seit der damaligen Blütezeit der sog. "
Belle Epoque"-Hotels in den Kurorten hat sich der alpine Tourismus mehrmals gewandelt. Seit ungefähr 1965 besitzt der
Wintersporttourismus mit seinen Bergbahnen und Liftanlagen für die Alpen die größte Bedeutung, beispielsweise in den
Kitzbüheler Alpen,
Davos,
Arosa,
Zermatt,
Saas-Fee,
St. Moritz,
Dolomiten,
Savoyen, daneben aber auch
Bergsteigertourismus, Erholung an Alpenseen, Städtetouren (
Innsbruck,
Zürich,
Luzern,
Interlaken,
Ljubljana,
Meran,
Aosta) oder Tourismus für
Extremsportarten (
Chamonix). Für viele Alpengemeinden ist der Tourismus die einzige Einnahmequelle geworden.
Umweltschützer und auch viele Einheimische bemängeln jedoch inzwischen immer öfter die Schäden, die der Massentourismus in den Alpen hervorruft und weisen immer häufiger auf die Grenzen der touristischen Nutzung der Alpen hin. So werden immer mehr Verkehrswege durch die Alpen gebaut und
Dorfstrukturen zugunsten der fortschreitenden Verstädterung zerstört. Hinzu kommt das immer stärker in Erscheinung tretende
Müllproblem. Der weitere Ausbau der touristischen Infrastrukturen stößt bereits in vielen Alpentälern an seine Grenzen, vor allem, da durch Naturgefahren (beispielsweise
Lawinen,
Muren) das Flächenangebot begrenzt ist. Einige tragische Unglücke in den letzten Jahren (beispielsweise im tirolerischen
Galtür im Februar 1999) haben diese Problematik aufgezeigt.
Wanderurlaub gilt hingegen als Musterbeispiel für ökologisch verträglichen Tourismus ("sanfter Tourismus"); insbesondere, wenn er in abgelegene, von Abwanderung bedrohte Talregionen führt und dazu beiträgt, der einheimischen Bevölkerung eine Einkommensquelle zu sichern. Solcher Tourismus wird exemplarisch mit dem Weitwanderweg
Grande Traversata delle Alpi im
Piemont propagiert.
Voraussetzungen
Die landschaftliche Vielfalt, kulturelle Sehenswürdigkeiten sowie die besonderen klimatischen Verhältnisse bieten beinahe optimale Voraussetzungen für die touristische Nutzung der Alpen, da eine denkbar große Anzahl an touristischen Zielgruppen (beispielsweise Erholungssuchende, Aktivurlauber, Kurtouristen, Kulturbegeisterte etc.) mit entsprechenden Angeboten bedient werden kann. Im Sommer finden sich die diversen Spielarten des aktiven und passiven Erholungstourismus (
Wandern, Badeurlaub an den randalpinen Seen) und vor allem der sportliche Urlaub in Form des
Alpinismus. Letzterer war es auch, der die touristische Entwicklung des Alpenraums initiiert hat. Insbesondere englische Touristen haben im und vor allem gegen Ende des 19. Jahrhunderts den Alpentourismus entscheidend geprägt. Bereits im 19. Jahrhundert wurden vom Engländer
Thomas Cook organisierte Massenreisen von England in die Alpen durchgeführt. Im Winter sind die Alpen ein weltweit attraktives Ziel für den Wintersport, wobei diesbezüglich der
Skisport und seine diversen Ausformungen dominieren. In den letzten Jahrzehnten hat in vielen Teilen der Alpen der Tourismus im Winter dem klassischen Sommertourismus den Rang abgelaufen.
Nutzen und Gefahren
Durch den
Massentourismus werden Arbeitsplätze geschaffen und regionale Einkommen generiert, wodurch die Gefahr einer Abwanderung verringert werden kann. Allerdings ist der Tourismus in den Alpen oft nur punktuell auf bestimmte Dörfer, Städte und Skiressorts konzentriert. In den flächig größeren Gebieten ohne Massentourismus kommt es erst recht zur Abwanderung. Tatsächlich findet sich oft ein Nebeneinander von touristisch intensiv erschlossenen Gebieten und touristischem Niemandsland. Dies trifft vor allem auf das italienische Alpengebiet zu.
Die Menschen in den Alpen sind vom Massentourismus stark abhängig, es entstehen touristische
Monostrukturen. Dem Massentourismus werden sämtliche Lebensbereiche unterworfen. Regionale Eigenheiten bzw. Besonderheiten verkommen unter Umständen zu einem bloßen
Klischee. Zudem sind die Arbeitsbedingungen im Tourismus oft wenig attraktiv (ungeregelte Arbeitszeiten, geringe Löhne, viele Saisonarbeitsplätze). Menschen, die sich diesen Arbeitsbedingungen nicht unterwerfen wollen, sind mangels alternativer Beschäftigungsmöglichkeiten erst recht zum Abwandern (oder zum Auspendeln) gezwungen.
Der intensive Massentourismus führt auch zu
ökologischen Problemen wie Müll- und Abwasserbelastung, Verkehrsproblematik und zu "optischer Umweltverschmutzung" durch technische
Infrastrukturen wie beispielsweise
Seilbahnen.
Städte
Die größte Stadt mit direkter Lage in den Alpen ist das französische
Grenoble, gefolgt von der Tiroler Landeshauptstadt
Innsbruck und dem südtiroler
Bozen. In der Schweiz liegen Luzern, Chur, Thun und Lugano im alpinen Bergland.
Transitverkehr
Hospiz auf dem Großen St. Bernhard
Blick auf die Brennerautobahn
Die Alpen stellen für den transeuropäischen Verkehr ein natürliches Hindernis dar. Sie können nur auf bestimmten Routen über
Gebirgspässe oder
Tunnel überquert werden. Besondere Bedeutung erlangten diejenigen Pässe, die über den Alpenhauptkamm direkt von Norden nach Süden oder umgekehrt in gut erschlossene Täler führen und somit eine zweite Passüberquerung ersparen. Pässe wie der
Brenner im Osten oder der
Große St. Bernhard im Westen nahmen früh eine Sonderstellung ein. Der Große St. Bernhard etwa wird erstmals um 200 v. Chr. im Zusammenhang mit dem karthagischen Feldherrn
Hannibal, der den Pass mit seinem Heer und seinen Elefanten überquert haben soll, erwähnt. Von der römischen Antike bis ins Mittelalter war der Große St. Bernhard die wichtigste Verbindung nach Italien. Das änderte sich im 13. Jahrhundert, als mit dem Bau der
Teufelsbrücke in der
Schöllenenschlucht der
St. Gotthard begehbar gemacht wurde. Eine Auswahl der wichtigsten alpenquerenden Verbindungen (von West nach Ost):
Das Transitnetz durch die Alpen entwickelte sich im Laufe der Zeit immer rasanter: von schmalen Wegen für bepackte Maultiere und Pferde über frühe
Passstraßen des
19. Jahrhunderts zu den mehrspurigen Autobahnen und Eisenbahnlinien des 20. Jahrhunderts. Die Eisenbahn hat im 19. Jahrhundert mit Pionierleistungen wie der
Semmeringbahn als erster Passeisenbahn oder der
Gotthardbahn mit ihren über 300 Brücken und 80 Tunnels zwischen Basel und Chiasso das moderne Transitzeitalter eingeläutet. Die erst später ausgebauten Pässe erhielten keine Schienen mehr, denn das Auto hatte inzwischen die Bahn verdrängt.
Verkehrsprojekte in den Alpen waren und sind wegen Naturgefahren und der
Topografie stets mit hohen Kosten und Gefahren verbunden, was sich auch am aktuellen Bau der
NEAT in der Schweiz zeigt. Die zunehmende Umweltbelastung durch den motorisierten
Transitverkehr hat in den letzten Jahren häufig zu Protesten der betroffenen Bevölkerung geführt (beispielsweise Straßenblockaden in Tirol, Savoyen, Piemont sowie
Alpen-Initiative in der Schweiz). Bätzing weist in diesem Zusammenhang aber auch auf die Bedeutung der Änderungen der
Infrastrukturen durch und für die "
Einheimischen" hin.
Politik
Frühere Passstaaten
Bäuerliche Zusammenschlüsse zur gemeinsamen Nutzung von
Ressourcen führten im
Spätmittelalter zur Herausbildung sogenannter
Passstaaten, die sich über beide Seiten des Alpenkammes erstreckten. Neben dem „Bund von
Briançon" gehören
Savoyen, die
Alte Eidgenossenschaft und
Tirol dazu. Damit sollte alpines Freiheitsdenken analog den städtischen Freiheiten der
Reichsstädte eingefordert werden. Diese Passstaaten kontrollierten durch ihre strategische Position den Transitverkehr und verlangten von Durchreisenden Zölle.
Spätestens die Nationalstaaten des 19. Jahrhunderts trachteten jedoch danach, den aus ihrer Sicht
peripheren alpinen Raum einzubinden, so dass beispielsweise Tirol zwischen Österreich und Italien sowie Savoyen-Piemont zwischen Frankreich und Italien geteilt werden musste. Die
Schweiz ist der einzige der alpinen Passstaaten, der bis heute überlebt hat. Der
Staatenbund der Eidgenossenschaft wurde 1848 durch die Gründung des
Bundesstaates in einen modernen Nationalstaat überführt.
Regionale Zusammenarbeit
Nach den Grenzbildungen im Zuge der Nationalisierung im Alpenraum bildet die grenzüberschreitende Zusammenarbeit seit ca. 1970 , vor dem Hintergrund des europäischen Binnenmarkts, einen Gegentrend. Mit der
Alpenkonvention, der
Arge Alp und der
CIPRA sind wie in anderen Teilen Europas Gremien entstanden, die sich politisch mit den Problemen der Alpentäler sowie der alpennahen Zentren befassen.
Panoramaaufnahme der Alpen
Siehe auch
Als übertragener Begriff wird "Alpen" auch als Bezeichnung für relativ niedrige Hügelketten u. ä. weitab von den europ. Alpen verwendet, die in ihrer Umgebung als deutliche Erhebung in Erscheinung treten. Beispiel: In
Rixbeck (zu Lippstadt, NRW) die
Rixbecker Alpen.
Literatur
Werner Bätzing:
Die Alpen - Geschichte und Zukunft einer europäischen Kulturlandschaft. C.H.Beck, 2003 - 3. A.,
ISBN 3-406-50185-0. (Wissenschaftl. Grundlagen. Das Standardwerk)
Werner Bätzing:
Bildatlas Alpen. Eine Kulturlandschaft im Portrait. Primus Verlag. 2005. 192 Seiten.
ISBN 3896785273.
Patrick Brauns:
Die Berge rufen. Alpen Sprachen Mythen. Verlag Huber, Frauenfeld, 2002 (über Bergnamen und Sprachen im Alpenraum)
Gerhard Leeb:
Planet Alpen-Magazin - Das neue Bild vom Lebensraum, vierteljährliche Zeitschrift,
Planet Alpen-Magazin.
Uwe A. Oster:
Wege über die Alpen. Von der Frühzeit bis heute. 160 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, Darmstadt 2006, 3-89678-269-X.
Claude Reichler:
Entdeckung einer Landschaft. Reisende, Schriftsteller, Künstler und ihre Alpen. Rotpunkt-Verlag, Zürich 2005.
Weblinks
Aktuelles:
Virtuelle Tour:
Wissenschaft:
Kultur:
Organisationen:
Bilder:
Motorrad-Touren:
Fußnoten